Design in Aktion
MUSTERPROJEKT. DESIGN-WAWA 2011
Design in Aktion
Subjekt oder Objekt? Öffentlicher Raum oder ein Ort intimer Handlungen? Bruttosozialprodukt oder pure Identität? Kultur-Code oder Barcode? Da, wo sich diese einander ausschließenden Tendenzen kreuzen, am Rande der ästhetischen und sozialen Auswahl, dort entsteht Design, welches wir gesucht haben. Design, das zwickt, manchmal sogar wortwörtlich.
Wir streben danach, unser Leben bequem und nett zu gestalten. Inzwischen aber hat Design, dessen Grundanforderung immer die Funktionalität gewesen ist, eine gleichermaßen irritierende Rolle.
Design ist teuer, Design ist elitär, Design ist unnahbar. Vor allem ist es meist schwarz, ausnahmsweise mal grau. Kalt. Emotional fern. Und wir? Wir sind gelangweilt von Ausstellungen in weißen musealen Hallen, reagieren zunehmend passiv auf Design in überdimensionalen Design-Messen.
Deutsches Design gibt es. Es wird vielerorts immer noch mit Bauhaus oder dem Fingerabdruck Dieter Rams' gleichgesetzt. Sicherlich trifft diese Identifizierung manchmal zu. Doch ist dies kein Alleinstellungsmerkmal für die Trends, welche wir aus Deutschland wahrnehmen können. Ferner ist es unmöglich, ein Land mit dermaßen kreativem Output auf eine Zeit, einen Designer und eine Designepoche zu reduzieren.
„Design in Aktion“ protestiert gegen Klischees. Es zeigt ganz selbstbewusst ein anderes Gesicht von Design. Und es zeigt sich in anderen Farben, an anderen Orten, in anderen Ausmaßen. Die Ausstellung schlägt eine Brücke zwischen zwei Ländern, die seit jeher eng miteinander verbunden sind, im Guten wie im Schlechten. Und sie zeugt davon, dass Design für ein ein Näherkommen steht, das keiner Worte mehr bedarf.
Das Kurzlebige kann zeitlos werden. Das günstige luxuriös. Hässliches wird schön. Und das Deutsche wird Polnisch. Und umgekehrt. Denn diese Ausstellung basiert auf einem Dialog zwischen jungen Designern, deren universelle Sprache das Design ist. Gemeinsame Sensibilität, identischer Pool popkultureller Assoziationen, anarchischer Sinn für Humor.
Besteck aus Schweinsleder in einem Pelzladen, eine Duftwand aus Schweiß 21 erschrockener Männer, die ihren Platz in der sinnlichen Horn and More Boutique findet oder Flaschen mit Audio-Nachrichten aus Berlin in einer Holzinstallation mitten im Café Karma. Dieses Design soll Fragen aufwerfen, aus dem Alltag reißen, die Erwartungen der Besucher mit den Antworten der Designer kollidieren lassen.
Unser Projekt fing nicht mit einem Schlagwort oder einer These an. Wir sind auf die Jagd gegangen, auf der Suche nach frischen Projekten aus Deutschland und Polen. Die daraus hervorgehenden Parallelen haben sich von selbst ergeben. Retro-Nostalgie, Stadtpoesie, Klarheit der Form – die gleichen Ideen „wirken” in den ausgestellten Arbeiten und diese wirken wiederum im öffentlichen Raum auf der Mokotowska Straße.
Wir zeigen Design, das gleichzeitig schön, bewusst und gefährlich ist. Es bringt sowohl den „Wow!”-Effekt als auch eine Mischung von Abscheu und Begeisterung hervor. Das Design aus der Galerie auf die Straße hinaus zu stellen, ist banal. Nicht diese Tatsache ist interessant, sondern der Kontext in dem jedes der Projekte gezeigt wird. Erst wenn es auf die Umgebung, eine angesagte Boutique, eine alte Schuhmacherwerkstatt oder einen Friseursalon wirkt, werden alle seine Bedeutungen offenbart. Es verändert die Wirklichkeit. Wird zum Design in Aktion.
Hanna Rydlewska, Agata Michalak, Michael Okraj
Termin 09.-19.06.2011
Vernissage 9. Juni, 19.30 Uhr, The Corner, ul. Piękna 18, Eingang Mokotowska Straße
Ort Warschau, ul. Mokotowska und Umgebung
Kuratoren Michael Okraj, Hanna Rydlewska, Agata Michalak
Partner> DESIGNERDEUTSCH, Fundacja Nowej Kultury Bęc Zmiana, Fundacja Archeologia Fotografii, Towarzystwo Inicjatyw Twórczych „ę”, Create Berlin, Ostkreuzschule für Fotografie und Gestaltung Berlin, designkritik.dk.
